EIN COMIC ENTSTEHT: IDEEN
geschrieben von comiczeichner | 20 Jun, 2008
Bevor ein Comic entsteht, oder wir selber ein "gutes" Comic machen, müssen wir uns selbst verstehen.
Es gibt zwei Arten von Autoren. Die, die etwas zu sagen haben und die,
die etwas sagen wollen.
Jeder Mensch hat seinen eigenen Geschmack, seine eigenen Standpunkte,
seine eigenen Erfahrungen und Gefühle. Und neben der sozialen Umgebung
seines Lebens und seiner Lebenssituation, gehören diese Dinge wie
eigener Geschmack, eigene Erfahrungen etc. zur Quelle der Entstehung
einer Idee.
Alle diese Faktoren führen uns am Ende zu der Idee, die man als Autor
verwirklicht.
Die Idee wird aber von zwei Punkte am stärksten beeinflusst oder
kontrolliert: GESCHMACK und ERFAHRUNG.
Beispiel: Peter liebt Cowboys und Buddhismus. Sein Geschmack in allen
Dingen ist durch diese beiden Elemente beeinflusst. Manchmal merkt er es
nicht mal, wie diese beiden Elemente sein Leben, Denken und Handeln
beeinflussen. Bewußt zieht er in seiner Freizeit Cowboystiefel an,
unbewußt hält er seine Hand immer an der rechten Seite seines Gürtels,
als ob er einen Revolver hätte. Bewußt tötet er keine Insekten, unbewußt
ist die Farbe Orange zu seiner Lieblingsfarbe geworden. Sein Geschmack
beeinflusst ihn und er lebt seinen Geschmack bewußt und unbewußt aus.
Peter musste in seiner Kindheit erleben, wie sein Vater qualvoll und
langsam an Lungenkrebs starb. Diese Erfahrung prägte seine ganze
Persönlichkeit und er weißt das. Das ist eine bewußte Erfahrung. Als
kleines Kind hat ihn eine Katze fast ein Auge ausgekratzt, daran
erinnertt er sich nicht mehr, oder ist ihm nicht mehr stark in
Erinnerung. Immer wenn eine Katze in der Nähe ist, wird er ganz nervös
und er weißt nicht warum, weil er sich nicht mehr an den Katzenvorfall
seiner Kindheit erinnert, oder ihm nicht bewußt ist, dass das Katzenerlebnis seiner Kindheit ein kleines Trauma ist. Das ist eine unbewußte Erfahrung, die auch
sein Leben beeinflusst.
Der Geschmack bildet sich oft aus Erfahrung. Peter mag Buddhismus, weil
er als Teenager einen Beitrag gelesen hat, wo ein Buddhist genau seine
Verlustängste und das Leid über den Tod seines Vaters in Worten gefasst
hat, die genau das beschrieben was er fühlte. Dies beeindruckte ihn so
sehr, dass er sich dem Buddhismus widmete und alles was mit Buddismus zu
tun hat liebte. Als er als Kind von einer Katze angegriffen wurde
rettete ihn ein Mann mit Cowboy Hut und weißen Cowboy Stiefeln. Dieser
Mann wurde sein Held und als Peter eines Tages seinen ersten Western im
TV sah war er hin und weg. Und wollte so sein wie der Cowboy Held im
Western.
Das ist Geschmack, der durch Erfahrung entsteht.
Aus Geschmack und Erfahrung entstehen dann die Ideen für eine
Geschichte. Und hier entscheidet sich, ob man jemand ist, der was zu
sagen hat, oder jemand ist, der nur was sagen will.
Ein Beispiel:
Peter hat die schlimme Erfahrung gemacht seinen Vater langsam sterben zu
sehen. Diese Erfahrung war ein Schock und beeinflusste sein ganzes Leben.
Er muss immer daran denken. Das Bild seines sterbenden Vaters lässt
ihn nicht los. Er hat oft Alpträume etc. Und irgendwann hält er all diese
Gefühle im Inneren nicht mehr aus und etwas in seinem Herzen will all diese
Gefühle rausschreien. Er entschließt sich oder sein Unterbewußtsein
zwingt ihn seine Gefühle auf eine Art auszudrücken: Peter greift zum
Stift und Papier.
Bei jeden Menschen ist das anders. Einige greifen zur Gitarre, andere
zum Pinsel und wiederrum andere versuchen diese Gefühle zu unterdrücken,
oder davor zu verstecken. Sie greifen zu Drogen oder suchen selbstzerstörische Wege, um den Schmerz und die Angst im Inneren zu vertreiben. Sie verletzen sich oder andere, um mit den
Gefühlen klar zukommen.
Peter greift also zu Stift und Papier. Seine Erfahrung ist sein Antrieb
und die Quelle seines zukünftigen Werkes. Er hat was zu sagen.
Peter mag Cowboys unheimlich gerne und er würde gerne eine Cowboy
Geschichte schreiben, weil er Cowboys so gerne mag. Er weiß am Anfang
nicht worüber die Cowboy Geschichte handeln soll, aber er weiß es sollen
Cowboys, Indianer und eine große Schießerei darin vorkommen. Peter will
etwas sagen.
Das ist der Unterscheid zwischen Autoren, die etwas zu sagen haben und
die, die etwas sagen wollen.
Oft ist es so, das sich Erfahrung und Geschmack vermischen. Und der Autor
wird dann zu einem Autor, der etwas zu sagen hat und was sagen will. Das
bedeutet:
Peter schreibt eine Cowboygeschichte, die über den Tod seines Vaters
handelt. Er vermischt die Erfahrung des Todes mit seiner Vorliebe für
Cowboys.
Autoren sollten über ihre Erfahrungen schreiben und ihre Erfahrungen sollen die
Idee einer Geschichte, oder die ganze Geschichte bestimmen lassen. Über
Dinge zu schreiben, die man kennt und selbst erlebt hat, ist oft
leichter zu schreiben, als über Dinge, die man nicht kennt.
Meistens passiert das von alleine, dass man über die eigenen Erfahrungen
schreibt und sie in eine Geschichte verpackt. Erfahrung ist die Quelle
eines Autors. Natürlich kostet es oft Überwindung die eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Gefühle zu Papier zu bringen, aber wenn man es überwindet, dann ist es Schicksal und sollte so sein. Wenn man es nicht schafft, dann war es nie dafür bestimmt...
Also, denkt gut nach. Was kennt ihr, welche Erfahrungen habt ihr
gemacht, was brennt in euren Herzen, was beschäftigt euch die meiste
Zeit? Das kann der Kern euer Geschichte werden.
Auf was steht ihr? Was gefällt euch? Welche Genres gefallen euch? Das
kann das Aussehen euer Geschichte werden.
Nun heißt es zu sammeln. Alle Gedanken, die euch zu euer Erfahrung
einfallen müsst ihr aufschreiben. Ob Stichpunkte oder ganze Aufsätze,
alles ist erlaubt. Sammelt soviel ihr könnt. Erinnerungen, Gefühle,
Situationen, Gedanken, die ihr hattet etc.
Gleichzeitig müsst ihr über eure Erfahrung recherieren. Das bedeutet,
wenn Peter über den Krebstod seines Vaters und über Cowboys schreibt,
muss er alles über den Tod, Krebs und Cowboys rausfinden und lernen.
Jede Kleinigkeit. Umso mehr er weißt, umso glaubwürdiger und intensiver
kann seine Geschichte werden.
Umso besser kann er mit seinem Wissen die Leser in seine Geschichte einbinden und damit fesseln. Wie man das genau macht, wie man Gefühle und Dramaturgie nutzt gibt es später im Teil LOGIK, DRAMATURGIE UND PHILOSOPHIE CHECK.
Wann weißt man, wann man genug Material zusammen hat? Wenn die ganze
Wohnung gefüllt ist mit Zeug, dass über euer bestimmts Thema handelt. Ihr fast die ganze
Zeit nur über euer THEMA am reden seid und eure Freunde, Familie und
Lebenspartner langsam richtig davon genervt sind.
Nächster Teil: Dialoge


Ich wurde gefragt:
geschrieben von MILLUS am 20 Jun 2008, 16:02woher weiß ich, dass eine idee toll ist? >.