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ONLINECOMICS - Die Zukunft und wie präsentiere ich mein Onlinecomic richtig

geschrieben von comiczeichner | 14 Nov, 2007

Onlinecomics (digitale Comics) sind ein Thema für sich und ein sehr wichtiges Thema.

Mit Online Comics habe ich seit dem Jahr 2001 meine ersten guten Erfahrungen gemacht. Mit meinen Onlinecomics THE TRUTH und THE KONNA erreichte ich im Internet zahlreiche Leser und bekam sehr schönes Feedback. Ohne groß zu werben haben sich damals in kürzester Zeit über 1000 Leser täglich zusammengefunden, um mein kostenloses Online Comic THE KONNA zu lesen. Und die Besucherzahlen stiegen von Woche zu Woche an...

Aus eigener Erfahrung als Comiczeichner kann ich sagen: Im Internet gibt es viel Potential, um ein Comic zu etablieren. Doch es kommt auf das Comic an und auf die Vermarktung, doch dazu später in diesen Beitrag.

Seit Jahren geht es dem Medium Comic weltweit nicht so gut. Durch die Konkurrenzmedien Computerspiele, Filme und Musik greifen immer weniger Leute zu Comics. Weitere Faktoren, welche die Verkaufszahlen in den Comicläden und Buchhandlungen zu schaffen machen: Die Inhalte der Comics/Mangas sind langweilig und reizen kaum die Leute zum Kauf an. Kaum neue außergewöhnliche Künstler tauchen auf, die mit ihren Stil und Werken die Leute dazu bringen die Spielkonsole oder den neuen Harry Potter oder den Porno oder die neusten Filme beiseite zu legen.

Viele Leser besorgen sich illegal Comics/Mangas im Internet (Leute scannen die Comics und bieten die Scans zum illegalen download an).

Trotz den vielen Comicverfilmungen greifen kaum neue Leute zu Comics oder Mangas.

In USA und JAPAN suchen die großen Verlage neue Wege und Lösungen, um die Comic/Manga Krise zu bewältigen. Und eine (Er-)Lösung sehen sie im Internet. Neue Plattformen für Onlinecomics wurden von den großen Verlagshäusern geschaffen, um neue und alte Comics zu präsentieren. Sogar community websites wie MySpace werden von Verlagshäusern dazu benutzt, um ihre Comics an neue Leser zu bringen.

Vor einigen Jahren war das aber ganz anders. Viele Verleger, Comicleser, Comicexperten und Comiczeichner sahen im Internet keine Erfolgsmöglichkeiten. Dies begründeten sie mit der Aussage, dass man Comics auf einem Bildschirm nicht gut lesen kann – man nicht den Computer ins Bett mitnehmen kann – ein Comic auf Papier ein ganz anderes Gefühl hat, welches man niemals am Monitor erfahren kann – etc.

Doch was geschah? In den letzten Jahren wuchs eine Generation auf, denen sozusagen ein Computer und ein Handy in die Wiege gelegt wurde. Diese Generation kann sich eine Welt ohne Computer und Internet kaum vorstellen. Schon in der Schule werden Kindern Computer und die Arbeit am Bildschirm näher gebracht. Diese Generation hat ein ganz anderes Lese- und Auffassungsbewusstsein gegenüber Inhalte am Bildschirm. Sie können problemlos ganze Bücher am Monitor lesen - und auch Comics.

Und durch den technischen Fortschritt haben ganz neue handliche Computer das Licht der Welt erblickt. Laptops, Spielkonsolen wie die PSP oder Internethandys machen es den Menschen sehr einfach digitale Medien zu genießen.

Und diese Tatsache wird manchen Verlagshäusern langsam bewusst.

In den letzten Jahren gabt es auch interessante Erfolgsgeschichten von jungen oder alten Comiczeichnern, die erst durch das Internet zu Ruhm und Reichtum gelangten. Besonders Cartoonisten, die regelmäßig kleinen Cartoons oder lustige Comics ins Netz stellten, erlangten schnell viele Leser. In Deutschland schaffte es Cartoonist Joscha Sauer mit seiner Cartoonserie NICHTLUSTIG zu unglaubliches Aufsehen. Tausende Klicks pro Tag und eine rasend schnell wachsende Fangemeinde machten ihn für Verlage interessant. Seine Cartoons werden jetzt vom Carlsen Verlag in gedruckter Form verkauft und mit großen Erfolg.

Das Internet bietet besonders für junge oder neue Comiczeichner eine gute Möglichkeit sich künstlerisch zu entfalten, die eigene Kunst einem großen Publikum zu zeigen und auch Geld zu verdienen.

Doch es kommt auf das Comic an und wie man sich im Internet präsentiert.

Die Regeln, um Erfolg zu haben sind einfach: das Onlinecomic muss sehr gut sein. Es muss sehr gut gezeichnet sein, die Geschichte muss sehr gut sein und es muss sehr gut und einfach in technischer Hinsicht zu lesen sein.

Das Internet bietet ganz neue technische Möglichkeiten an. Das Präsentationsformat ist viel freier, als ein Comic in Heft oder Buchformat. Man ist nicht so wie bei einem Buch beschränkt und kann sogar ganz neue Elemente in ein digitales Comic einbringen. Z.B. Animationen, Musik u.s.w.

Doch auch bei der Präsentation von Comics im Internet gibt es einfache Regeln: das Laden der Bilder muss schnell gehen und man muss es den Leser so einfach machen, wie es nur geht.

Das Internet als Präsentationsfläche bietet so viele Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten, die bei einer ungeschickten Benutzung sich als sehr negativ erweisen können.

Also, umso einfacher - umso besser.

Viele Verlagshäuser und Zeichner denken, sie müssen nur ihre Comics online stellen und sie werden gelesen, aber leider ist das nicht so. Was auf Papier schlecht war und sich schlecht verkaufte oder wenig Leser fand, wird durch das Internet nicht besser werden und sich besser verkaufen, oder viele Leser finden. Beim Inhalt gibt es auch eine einfache Regel: Es muss optisch harmonisch und angenehm für das Auge des Betrachters sein. Die Zeichnungen müssen genug Qualität haben, um den Leser zu fesseln. Die Geschichten müssen für die Leser interessant sein und die Leser ansprechen. Es muss so geschrieben werden und so erzählt werden, dass der Leser es auch versteht und nachvollziehen kann was in der Geschichte passiert. Eine Geschichte muss spannend sein, das Herz des Lesers berühren und den Leser etwas schenken was sie woanders nicht finden können.

Bei Onlinecomics bestimmen die ersten Seiten oder bestimmt gar die erste Seite den Erfolg eines Onlinecomics, denn der heutige Internet Leser ist sehr kritisch und ungeduldig. Wenn ihm beim ersten Blick die website oder das Comic nicht gefällt, dann ist die Sache so gut wie verloren.

Deswegen sagte ich immer: Die ersten Seiten müssen fesseln, die Neugier des Lesers wecken und ihn WOW sagen lassen.

Damit ein Onlinecomic inhaltlich erfolgreich wird muss die Geschichte von Anfang an fesseln - die Dramaturgie muss stimmen – Dialoge müssen fließend sein und glaubwürdig klingen - die Zeichnungen und Charakterdesigns müssen harmonisch und wunderschön sein - es muss Themen behandeln, die Leser auch im Alltag und im Leben beschäftigen – es muss die richtige Mischung aus essentiellen menschlichen Elementen haben.

Das Onlinecomic muss in einem leserfreundlichen Format gezeigt werden, dass nicht zu langsam läd und zum Inhalt/Zeichnungen des Comics passt. Die Navigation, das Blättern oder Lesen des Comics muss für den Leser einfach gestaltet werden. Wenn der Leser zuviel klicken muss, oder zu lange suchen muss, um auf eine nächste Seite zu kommen oder die Geschichte in Gang zu setzen, kann er schnell davon genervt sein und das Lesen beenden.

Das website Layout des Onlinecomics sollte man den Comic anpassen und auch leserfreundlich gestalten. Der Leser sollte schnell begreifen, um was es geht und wie man die ganze Navigation der Seite benutzt.

Ein Onlinecomic sollte am Anfang immer kostenlos sein. Im Internet für etwas unbekanntes Geld zu verlangen ist fast eine Beleidigung für den Internetsurfer. Wie man trotzdem mit Onlinecomics Geld verdienen kann und wie man sein Onlinecomic bekannt macht erzähle ich nächstes Mal... ich habe paar Ideen entwickelt, die ich noch ausprobieren muss, um über sie schreiben zu können. Nächstes Jahr werde ich mit meinem Onlinecomic THE KONNA und einer weiteren Onlinecomic Sache (noch Top Secret) beginnen und meine Ideen testen.

Ein Onlinecomic sollte nicht nur in der eigenen Muttersprache geschrieben sein. Eine englische Version des Onlinecomics bietet die Möglichkeit viele andere Leser aus der ganzen Welt zu erreichen.

Wie man lesen kann ist es nicht sehr einfach ein Onlinecomic erfolgreich zu etablieren, doch das Internet bietet besonders Zeichnern, die von Verlagshäusern nicht genommen wurden - oder die keine Kompromisse mit Verlegern machen wollen, die große Chance kostengünstig ihre Comics der Welt zu zeigen. Einer Welt zu der Millionen von Menschen Zugang haben.

Sogar Comicexperte Scott McCloud sieht in Onlinecomics die Zukunft.

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3 Kommentare und 0 Trackbacks zu "ONLINECOMICS - Die Zukunft und wie präsentiere ich mein Onlinecomic richtig"


    sam webcomics

    Interessante Gedanken zum Thema Webcomic.
    Scott McCloud hat auch auf seiner Homepage speziell was zu Webcomics geschrieben (nachzulesen hier:
    http://www.scottmccloud.com/makingcomics/five_half/00.html )
    Ich wünsch dir viel Erfolg mit deinem Webcomic !

    geschrieben von sam am 14 Nov 2007, 14:01

    Jähling

    Das meiste sollte eigentlich schon für Papiercomics selbstverständlich sein. Gute Zeichnungen? Gute Story? Der wesentliche Unterschied bei Onlinecomics ist, dass jede Folge innerhalb des Comics ihren "Payoff" braucht. Also einen Gag, einen Cliffhanger oder irgendetwas, das die Folge abrundet. (Wenn die "Folge" aus einer Seite oder einer Zeile eines Fortsetzungscomics besteht, warne ich allerdings davor, jedesmal einen Cliffhanger zu setzen - das wird unerträglich und langweilig, wenn es ein späterer Leser in einem Rutsch liest.)

    Was die Hinweise zu Navigation und Seitengestaltung angeht, empfehle ich jedem Leser dieses Blogs, sie auszudrucken und an die Wand zu pinnen. Damit Ihr das NIE vergesst.

    geschrieben von Jähling am 20 Nov 2007, 15:52

    will net Stimme dem Artikel teilweise nicht zu.

    Bin zufällig hier gelandet, darum ein später Kommentar von mir zu folgendem:

    "Seit Jahren geht es dem Medium Comic weltweit nicht so gut. Durch die Konkurrenzmedien Computerspiele, Filme und Musik greifen immer weniger Leute zu Comics."

    Das stimmt vielleicht für Japan, aber in den USA und Frankreich ist der Comicmarkt in den letzten Jahren ständig gewachsen (Umsatz und Titelzahl), in Frankreich zuletzt 12 Jahre in Folge.

    In vielen Ländern diese Planeten geht es den Printcomics in ihrer Gesammtheit so gut wie nie oder schon lange nicht mehr.

    Trotzdem im Prinzip Zustimmung von mir für diesen Artikel, dass Net ist für die folgenden Generationen von Comics die Zukunft.

    geschrieben von will net am 22 Apr 2008, 18:48